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VMware durch Proxmox ersetzen: Migration aus der Praxis

Matthias Böhm

Jahrelang war VMware der Goldstandard der Server-Virtualisierung. Dann kam Broadcom. Übernommen, perpetual Lizenzen eingestellt, das kostenlose ESXi gestrichen, Subscription-Modelle und Preise deutlich angehoben. Für mittelständische Unternehmen stellt sich seither eine Frage, die 2019 noch niemand gestellt hätte: Wie kommen wir von VMware weg – und wohin?

Wir haben diese Frage mehrfach für Kunden beantwortet. Der vielleicht schönste Fall: ein Hamburger Verband mit über 40 produktiven virtuellen Maschinen, Windows und Linux, die wir im letzten Jahr vollständig auf Proxmox VE überführt haben. Die Umgebung läuft seither produktiv. Wie so eine Migration in der Praxis abläuft, erklären wir in diesem Beitrag.

Warum Proxmox VE die richtige Alternative ist

Proxmox VE (Virtual Environment) ist eine Open-Source-Virtualisierungsplattform auf Debian-Basis. Sie vereint zwei Virtualisierungstechnologien unter einer Oberfläche:

  • KVM/QEMU für vollständige virtuelle Maschinen – Windows und Linux, wie man es von VMware kennt
  • LXC für Container – leichtgewichtig, ideal für Infrastruktur-Dienste wie DNS, Monitoring oder Datenbanken

Dazu kommt alles in einer Plattform, für das man bei VMware mehrere Produkte und Lizenzen bräuchte:

  • Cluster-Funktionen mit Live-Migration – Wartung ohne Ausfallzeit
  • Proxmox Backup Server – integrierte, deduplizierende Backups inklusive Verifizierung
  • ZFS-Unterstützung – Snapshots, Replikation und Datensicherung auf Storage-Ebene
  • Weboberfläche mit RBAC – für den Betrieb durch ein Systemhaus oder interne Admins
  • Keine Lizenzserver, keine Subscription-Zwänge: Die Plattform ist vollständig Open Source; optionale Enterprise-Support-Abos sind verfügbar, aber niemand verliert Funktionen, wenn er sie nicht abschließt.

Die ehrliche Gegenrechnung

Proxmox ist kein „VMware-Billigersatz”, sondern eine eigenständige Plattform – und die Unterschiede sollte man kennen:

  • Zwei Welten unter einer Oberfläche: KVM und LXC teilen sich die Verwaltung – wer aus VMware kommt, muss die Konzepte einmal verstehen. Danach ist die Verwaltung eher einfacher, weil alles an einem Ort liegt.
  • Unterschiedliche Begriffswelt: vSphere-Admins finden nicht 1:1 die gewohnten Begriffe (Resource Pools, vMotion, Distributed Switches). Der Funktionsumfang ist da, aber unter anderen Namen – Migration heißt hier Live-Migration, HA funktioniert über Corosync.
  • Windows-Gast-Tools: Für Windows-VMs sind die Virtio-Treiber und der QEMU-Guest-Agent einzurichten – bei sauberer Planung Routine, aber es passiert nicht automatisch beim Anlegen der VM.
  • Support-Bedarf ehrlich planen: Proxmox ist reif und stabil, aber wer keine Linux-Kompetenz im Haus hat, sollte einen Betreuungspartner einbinden – für Updates, Cluster-Betrieb und Backup-Strategie.

Referenz: Migration eines Hamburger Verbands mit 40+ VMs

Im vergangenen Jahr haben wir einen Hamburger Verband von VMware zu Proxmox migriert – mit über 40 produktiven VMs, gemischt aus Windows-Servern (Domain Controller, Fileserver, ERP- und Fachanwendungen) und Linux-Systemen.

Das war die Ausgangslage und der Ablauf in Kurzform:

  1. Bestandsaufnahme: VM-Inventar, Ressourcenverbrauch, Abhängigkeiten zwischen Systemen (Storages, Netze, Firewall-Regeln) dokumentiert.
  2. Proxmox-Cluster aufgebaut: Drei Nodes auf neuer Hardware, ZFS-Storage, Netzwerksegmentierung wie im VMware-Design.
  3. Pflichtenheft-Test: Erst die unkritischen Systeme migriert, dann Fachanwendungen – jeweils mit definiertem Rollback-Weg.
  4. Migration der VMs: Über Live-Migration und Storage-Import, gestaffelt nach Kritikalität – Windows- und Linux-Systeme gleichermaßen.
  5. Backup-Konzept aufgebaut: Proxmox Backup Server angeschlossen, tägliche inkrementelle Backups mit Retention.
  6. Ausschalten von VMware: Nach vierwöchigem Parallelbetrieb wurde die VMware-Umgebung abgeschaltet.

Das Ergebnis: Keine einzige produktive Ausfallzeit beim Cut-over. Die Umgebung läuft seit über einem Jahr stabil, die Backup-Fenster sind deutlich kürzer als vorher, und die Lizenzkosten sind von einem fünfstelligen Jahresbetrag auf den Support-Bedarf reduziert, den der Kunde heute gezielt und transparent einsetzt.

Wann ein Wechsel sinnvoll ist

Ein Wechsel lohnt sich in erster Linie wenn:

  • Lizenzen teuer werden: Sei es durch Broadcom-Preisänderungen, auslaufende vSphere-Versionen oder geplante Umstellungen auf Subscription.
  • Hardware ansteht: Ein Hardware-Refresh ist der natürlichste Zeitpunkt für Plattform-Wechsel – neue Hosts auf Proxmox, alte VM-Migration.
  • Lizenz-Komplexität bremst: Wer Features nicht einsetzen kann, weil sie in der falschen Lizenz-Edition liegen, zahlt für ungenutzten Umfang.
  • Datensouveränität zählt: Wer Open Source und On-Premise-Philosophie verfolgt, will keinen proprietären Hypervisor als Sackgasse.

Und wann eher nicht: Wenn tiefe Integration in VMware-Spezialitäten (NSX, vSAN, Horizon) das Herzstück des Betriebs ist und keine Migration-Perspektive besteht, wiegt der Aufwand schwerer. Auch dann ist Proxmox machbar – aber der Planungsaufwand steigt deutlich.

Unser Fazit

Die Virtualisierung ist das Herz jeder IT-Infrastruktur – und sie sollte nicht an einem proprietären Lizenzmodell hängen, dessen Preisgestaltung man nicht steuern kann. Proxmox VE bietet den vollen technischen Umfang eines modernen Hypervisors, Open Source, auf eigener Hardware, ohne Lizenzfalle – und die Migration ist ein planbares Projekt, wie wir mehrfach gezeigt haben.

Sie betreiben noch VMware und überlegen, wie es weitergehen soll? Sprechen Sie uns an – wir bewerten Ihre Umgebung unverbindlich und sagen Ihnen, was ein Wechsel in Ihrem Fall konkret bedeuten würde.

Sprechen wir über Ihr Projekt. Wir beraten Sie unverbindlich – On-Premise, Open Source und passend zu Ihrem Unternehmen.

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